13 Oktober 2026

Guten Morgen, Sie Arschloch!

Ich liebe das Fluchen. Und wie ich es liebe! Und die Wut, die muss ja raus, das habe ich nun so gelernt. Kraftwörter, Ausdrücke und vulgäre Sprache vermitteln mir ein so befreiendes Gefühl, wenn ich mal ganz für mich drauf los fluchen kann. Am besten im Auto, in diesem wohligen Schutzraum in dem mich niemand hören kann. Und der Straßenverkehr bietet ja bekanntermaßen kontinuierlich Vorlagen, die übelsten Beschimpfungen hinauszuposaunen. Man sollte dabei selbstverständlich darauf achten, entsprechende Hand- und Fingergesten zu vermeiden.

Das gelingt mir auch in den meisten Fällen. Und eigentlich bin ich mittlerweile friedliebender und wesentlich entspannter als in meiner Vergangenheit. Ich hatte genug Zeiten und Momente in Groll und unter einer schwarzen Wolke wandelnd. Einer Wolke welche mir Freude und Lächeln nahm. Und ich bereue dieser Tage mehr denn je, in denen ich mich oft sogar bewusst in schlechte Stimmung versetzt habe. Rückblickend peinlich und völlig absurd.

So selbstreflektiert ich heute auch bin, Wut und Groll will ich aber auch nie mehr hinunterschlucken. Wenn meine Grenzen überschritten werden, wenn mir Unrecht getan wird, dann äußere ich das. Ich versuche hierbei immer darin zu unterscheiden, ob mir eine Begegnung oder eine Situation in irgendeiner Form Nachteile oder gar Schaden zufügt. Ist dem so, äußere ich dies. Erkenne ich keinen Nachteil und stelle vielmehr die Blödheit des Gegenübers oder den Stumpfsinn einer Situation fest, erlange ich mittlerweile ein Schmunzeln und schaffe sogar den stillen Rückzug. Und eine der wichtigsten Erkenntnisse der letzten Jahre für mich ist, dass ich Menschen in Ihrem Verhalten nicht (ver-)ändern kann.

Je selbstreflektierter ich werde, desto feinfühliger werde ich aber auch. Ich sehe wie unsensibel Menschen sind. Wie egoistisch, ignorant und ja, a-sozial, sich eben nicht in die Gemeinschaft oder Gesellschaft passend verhalten. Mit hochsensibler Wahrnehmung durch so eine Welt zu gehen, das verlangt mir einiges ab. Aufregen will ich mich eigentlich nicht mehr. Dennoch empfinde ich die Welt fast täglich als so unfair, versuche ich doch alles zu tun, um niemandem einen Nachteil zu bereiten, oder meine Umwelt durch mein Verhalten negativ zu beeinflussen.

Und dann passiert es eben doch ab und zu, das ein kleiner Fahrfehler des vor mir Fahrenden dazu führt, dass ich die Musik lauter drehe und mit dem Klang der Melodie, eine Batterie an Schimpfwörtern rauspruste.

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